Posts mit dem Label Vizekanzler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Vizekanzler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Februar 2011

Auswärtiges Amt: Rede von Außenminister Dr. Guido Westerwelle zu Thema "Globalisierung gestalten – Herausforderungen an die deutsche Außenpolitik"


02.02.2011
-- es gilt das gesprochene Wort! --

Sehr geehrte Damen und Herren,


Sie lernen in Heidelberg, aber Sie leben in der Globalisierung.

Sehen Sie auf die Etiketten Ihrer Kleidung.

Überlegen Sie sich, wo der Server des sozialen Netzwerks steht, das Sie benutzen.

Denken Sie daran, wo das Call-Center sitzt, das Sie bei Problemen mit dem Computer oder zum Sperren einer Bankkarte anrufen.

Oder denken Sie an Ägypten.

Hunderttausende ringen in Ägypten um mehr Freiheit, um mehr Teilhabe, um mehr Bürgerrechte.

Nicht der schafft Stabilität, der Freiheit unterdrückt, sondern der, der Bürgerrechte garantiert.

Wir sollten niemals Stabilität mit Stagnation verwechseln.

Wir stehen auf der Seite jener, die Versammlungs- und Pressefreiheit einfordern, die faire Wahlen verlangen, die Meinungsfreiheit und politische Beteiligung wollen.

Es sind universelle Werte, um die in Ägypten gerungen wird. Welche politische Lösung aus diesem Übergangsprozess herauskommt, entscheidet das ägyptische Volk. Aber wir alle nehmen Anteil.

Die Globalisierung ist eine Globalisierung der Werte. Der Irrglaube, dass es Regionen oder Kulturen gäbe, wo Menschen keine Demokratie ersehnen, landet gerade auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Manche haben die Globalisierung umgetauft in Globalismus, als sei die Globalisierung eine ökonomische Ideologie.

In Wahrheit ist die Globalisierung gesellschaftliche Realität – Ihre Realität, Ägyptens Realität, weltweite Realität. Die Globalisierung ist ein sozialer Vernetzungsprozess, der uns alle jeden Tag mehr zu Mitgliedern einer Weltgesellschaft macht.

In der Weltgesellschaft werden immer mehr Fragen zu Themen einer neuen Weltinnenpolitik.

Als ich selbst Student war, war die außenpolitische Lage der Bundesrepublik Deutschland noch eine völlig andere als heute.

Der Kalte Krieg hat alles bestimmt. Deutschland war ein geteiltes Land.

Sein Osten wurde von einem kommunistischen Regime regiert, der demokratische Westen stritt über die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen.

Der eiserne Vorhang hat ganz Europa geteilt, in ein Europa der Freiheit und in ein Europa der Unfreiheit.

Der Bau der Berliner Mauer jährt sich dieses Jahr zum 50. mal. Abschottung statt Veränderungsbereitschaft war 1961 die Antwort des DDR-Regimes auf die Unzufriedenheit seiner Bürger.

Der Ostblock wurde zum Sinnbild von Stagnation.

Stabil war er eben nicht. Nach 28 langen Jahren wurde die Mauer von den mutigen Bürgern der DDR eingerissen, und mit ihr das Regime, das sich eingemauert hatte.

Heute, gut zwanzig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, ist eine Generation heran gewachsen, die den Kalten Krieg zum Glück nur noch aus Erzählungen kennt. Sie, die jungen Menschen, die heute an die Universitäten kommen, kennen Europa nur als das friedliche Europa ohne Grenzen. Das ist ein Segen.

Die Herausforderungen deutscher Außenpolitik haben sich gewandelt, aber die Aufgaben sind nicht weniger geworden.

Erstens sind die Errungenschaften auch der letzten zwanzig Jahre nicht selbstverständlich:

Wir bleiben täglich gefordert, wenn es um Frieden, Freiheit und Wohlstand geht.

Das gilt in Europa und das gilt weltweit.

Zweitens haben sich gerade für die Außenpolitik eine Vielzahl neuer Aufgaben ergeben.

Der Fall der Mauer war auch das Fanal für ein neues Zeitalter: für die Globalisierung. Es öffnete sich nicht nur eine Mauer, es fiel nicht nur eine Grenze durch Berlin, durch Deutschland, durch Europa. Es fiel der Irrglaube, man könne sich abschotten.

Globalisierung und multipolare Welt, das sind die Herausforderungen der Außenpolitik im 21. Jahrhundert.

Neu ist nicht internationaler Austausch an sich.

Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich Veränderungen vollziehen.

Neue Technologien und politische Liberalisierungen haben einen weltweiten Austausch in ungekannter Geschwindigkeit und Breite ermöglicht, von Gütern und Dienstleistungen, von Informationen und Ideen.

Auch Biographien werden globaler, Menschen vernetzen sich rund um den Globus.

Globalisierung heißt, dass geographische Entfernung für alle Bereiche des Lebens rapide an Bedeutung verliert.

Dinge, die weit entfernt passieren, können unser tägliches Leben beeinflussen.

Unternehmer müssen sich mit Konkurrenz von anderen Kontinenten messen. Produktions- und Investitionsstandorte stehen im globalen Wettbewerb.

Und nicht nur Menschen oder Märkte rücken näher zusammen. In einer kleiner werdenden Welt können auch Gefahren näher kommen, beispielsweise ein Konflikt oder ein Krankheitserreger aus einem weit entfernten Land.

Spätestens die Finanzkrise hat gezeigt, dass sich in einer vernetzten Welt nicht nur Chancen schneller verbreiten, sondern auch Risiken.

Eine Hypothekenkrise in den USA kann sich auf Spareinlagen in Bayern oder Baden-Württemberg auswirken.

Unsere Politik und unser Denken müssen mit der Globalisierung Schritt halten.

Wir wollen Globalisierung gestalten. Außen- und Innenpolitik sind deshalb immer stärker verzahnt. Es gibt kaum einen deutschen Politikbereich, von der inneren Sicherheit bis zur Bildungspolitik, der nicht durch die Globalisierung beeinflusst ist. Internationale Themen wirken in die nationale Politik, nationale Entscheidungen haben umgekehrt Einfluss darauf, ob wir unsere globalen Ziele erreichen, beispielsweise in der Energie- oder Klimapolitik.

Deutsche Außenpolitik muss dabei zuallererst Anwalt von Offenheit sein. Denn in der Globalisierung stecken enorme Chancen. Wer sich abschottet und meint, damit alle Risiken zu vermeiden, der beraubt sich nur aller Chancen.

Gerade Deutschland lebt von und mit der Vernetzung. Deutschland ist besser aus der Wirtschaftskrise gekommen als irgendein anderes Industrieland. Ein Grund dafür ist die Exportstärke nicht zuletzt unseres Mittelstands. Deutschland profitiert von der Globalisierung dank seiner wettbewerbsfähigen Produkte und obwohl wir zurecht ein Hochlohnland sind.

Damit Deutschland wirtschaftlich auch in Zukunft in der ersten Liga spielt, müssen wir beherzt anpacken. In dem Moment, wo wir unseren Lebensstandard hier für selbstverständlich halten, werden wir ihn verlieren. Einst haben Jahrhunderte über Aufstieg und Wohlstand einer Nation entschieden, heute sind es Jahrzehnte.

Wenn ein Land von der Globalisierung profitiert, geht das nicht auf Kosten anderer. Handel ist kein Nullsummenspiel. Und so ist es kein Zufall, dass auch dank der stärkeren Integration vieler Schwellen- und Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft die Zahl der Armen in der Welt von 1990 bis 2005 um 400 Millionen gefallen ist, trotz starken Bevölkerungswachstums.

Derzeit leben gut 6,9 Milliarden Menschen auf der Erde. Das sind rund 80 Millionen Menschen mehr als vor einem Jahr. Anders ausgedrückt: Die Weltbevölkerung wächst jedes Jahr ungefähr um die Einwohnerzahl Deutschlands. Mitte 2011 wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Marke überschreiten.
In China leben fast 1,4 Milliarden und in Indien rund 1,2 Milliarden Menschen, Tendenz steigend. Beide Länder haben den Ehrgeiz, ihren Menschen mehr Wohlstand zu verschaffen.

Wir im Westen glauben noch immer, den Taktstock fest in unseren Händen zu halten. Jahrhunderte mag das so gewesen sein. Heute aber wird die Musik zunehmend auch woanders gespielt.

Die Frage, wovon wir Deutschen in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren leben sollen, wird längst nicht mehr nur von uns selbst entschieden. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht durch falsche Entscheidungen unsere Chancen für die Zukunft verschlechtern, weil wir Stimmungen nachgeben, anstatt beherzt anzupacken.

Gerade der Aufstieg der so genannten Schwellenländer ist beeindruckend. Sie holen rasant auf, sind der Motor der Weltwirtschaft und haben sich erstmals von der Konjunktur der Industrieländer abgekoppelt. Die Gewichte in der Welt verschieben sich.

Die Aufsteigerländer mit ihren jungen und dynamischen Gesellschaften haben drei zentrale Eigenschaften gemeinsam: Sie setzen auf eine wachsende Mittelschicht. Sie investieren in Bildung und Ausbildung ihrer Jugend. Und sie haben Lust auf Veränderung, weil sie in der Veränderung die Chance auf Verbesserung sehen.

Von der Dynamik dieser Länder möchte ich als Außenminister etwas in unsere Debatte tragen. Es geht um unsere mentale Standortfähigkeit in der Globalisierung.

Wissen ist die entscheidende Ressource der heutigen Welt. Langfristig entscheidet nichts mehr über unsere Stellung als das Bildungssystem. Zum Glück: Nicht mehr Bodenschätze als geologischer Zufall entscheiden über den Wohlstand einer Nation, sondern der Wettbewerb der Ideen. Der Wettbewerb um die besten Ideen wiederum nutzt allen. Und sein eigenes Abschneiden in diesem Wettbewerb kann jedes Land selbst mit beeinflussen. Deshalb investiert die Bundesregierung zusätzliche 12 Milliarden Euro in Bildung und Forschung.
Bildung ist mehr als nur Mittel zum Zweck. Ihr Hochschulstudium ist für Sie die beste Investition in die Zukunft. Sie blicken über Fächergrenzen hinweg und erarbeiten sich einen Kompass für Ihr weiteres Leben. Bildung ist der Schlüssel zu einer toleranten Gesellschaft, überall auf der Welt. Bildung wirkt gegen Vorurteile, Bildung macht stark gegen Diskriminierung, Bildung fördert Gleichheit und Respekt.

Gute Bildungspolitik ist vorsorgende Sozialpolitik. Denn sie ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und dafür, dass jeder die bestmöglichen Voraussetzung erhält, selbst etwas aus seinem Leben zu machen. Von der Bildung jedes einzelnen profitiert die ganze Gesellschaft.

Ein Viertel des Haushalts des Auswärtigen Amts investieren wir in die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Von Partnerschulen über Goethe-Institute bis zu DAAD-Programmen, die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik befördert Verständigung und Kooperation, unterstützt Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, hilft unsere Werte zu verbreiten und stärkt Deutschlands Ansehen in der Welt.

Der Hochschulstandort Heidelberg ist für internationalen Wettbewerb bestens gerüstet. Und er ist ein Aushängeschild für Deutschland. Schon seit Jahrhunderten bietet er das, was wir heute brauchen: Exzellenz in Lehre und Forschung sowie internationale Offenheit.

Bildung ist nicht nur eine Frage von Geld und Strukturen. Bildung ist auch ein Frage der Haltung. Nehmen Sie moderne Technologien, Infrastrukturinvestitionen oder die Chance, Gastgeber von Großereignissen sein zu dürfen. Gentechnische Heilverfahren, ein zukunftsweisender Bahnhof, Überlandleitungen, die Strom aus erneuerbaren Energien transportieren, Olympische Spiele im eigenen Land: Können Sie sich vorstellen, dass Debatten darüber in Brasilien so verlaufen würden wie im Moment in Deutschland? Jede Gesellschaft sollte sich die Fähigkeit erhalten, die eigene Zukunftsfähigkeit kritisch zu überprüfen.

Veränderungsbereitschaft und Optimismus sind Grundlagen erfolgreicher Standortpolitik. Und auch wenn die öffentliche Debatte oft einen anderen Eindruck macht: Zu Optimismus haben wir jeden Grund. Deutschland genießt großes Ansehen in der Welt. Wir sind Wirtschaftsmacht, Kulturnation, Bildungsrepublik und unser Land gilt als lebens- und liebenswert. Ein fröhlicher, aufgeklärter Patriotismus bringt uns Sympathien ein, weil er sich nicht über andere erhebt.

Wirtschaftliche und politische Öffnung gehen oft Hand in Hand. Handel bringt Veränderung, Ideen und Außenkontakte. „Wandel durch Handel“ hat einen Beitrag zum Aufweichen des DDR-Regimes geleistet. Das Ziel, Investitionen anzuziehen, ist heute selbst ein Anreiz zu guter Regierungsführung oder zu guten Arbeitsbedingungen. Deswegen gibt es auch keinen Konflikt zwischen Werten und Interessen, wenn deutsche Außenpolitik dazu beiträgt, deutschen Unternehmen im Ausland weitere Chancen zu eröffnen.

Die Globalisierung ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen und sie bringt nicht nur wirtschaftlich Gutes. Die Globalisierung der Werte, die ich am Beispiel Ägypten vorher geschildert habe, ist eine Chance für die Rechtsstaatlichkeit dort, wo die Menschen noch auf sie warten. Die Globalisierung begünstigt Informationsfreiheit und Teilhabe. Sie erschwert Zensur, Abschottung und Unterdrückung. In Tunesien war es eine gebildete Mittelschicht, die ihren Anspruch auf Freiheit mit Nachdruck erhoben hat. Demokratie, Freiheitsrechte, Bürgerrechte, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, das sind genau die Rechte, die vor anderthalb Jahren in Teheran und jetzt in Tunis von den Bürgerinnen und Bürgern auf der Straße verlangt und eingeklagt werden. Diejenigen, die diese Rechte wollen, haben weltweit unsere Solidarität und unsere politische Unterstützung. Wir sind eine Wertegemeinschaft, und diese Werte wollen wir auch verbreiten.

Das Internet präsentiert zwei Seiten der Globalisierung. Zwar ergeben sich aus dem Netz und für unser Netz neue sicherheitspolitische Gefahren, mit denen die Außenpolitik sich befassen muss. Zu allererst aber setzt das Internet enorme positive Kräfte frei. In unserem elektronischen Zeitalter können Meinungen nicht über das Staatsfernsehen allein kontrolliert werden. Wir erleben eine neue Realität der Gedankenfreiheit. Der freie Zugang zu Informationen ist ein Menschenrecht.

Wo freier Austausch möglich ist, entsteht auch mehr wechselseitiges Verständnis zwischen Gesellschaften und damit ein Beitrag zu Frieden und Stabilität. Gerade die Zivilgesellschaften werden gestärkt. Zivilgesellschaftliche Akteure, die in ihren Ländern ihrer Forderung nach Menschenrechten und Demokratie Gehör verschaffen, sind Verbündete unserer Außenpolitik. Deshalb helfen wir heute Studenten, die von weißrussischen Universitäten verbannt werden. Deshalb sagen wir der Führung in Minsk klar, dass die Unterdrückung der Freiheit und die Fälschung einer Wahl für uns nicht hinnehmbar ist.

Von Menschenrechten reden wir nicht mit erhobenem Zeigefinger. Von guter Regierungsführung sprechen wir nicht, um anderen unser Lebensmodell aufzudrängen. Die Universalität der Menschenrechte aber steht außer Frage. Der Einsatz für die Menschenrechte, die Werteorientierung der deutschen Außenpolitik, ist auch eine Konsequenz, die wir aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte ziehen.

Respekt vor den Menschenrechten ist die beste Konfliktprävention. Wahren Frieden gibt es nicht ohne Respekt vor den Menschenrechten.

Mit „Globalisierung gestalten“ meine ich noch mehr. Die Herausforderung ist eine doppelte: Es geht um Lösungen für neue Herausforderungen, und das im Zusammenspiel mit neuen Partnern.

Den Schutz des Klimas oder der Ozeane kann kein Land alleine erreichen. Auch Themen wie Energie und Rohstoffe, Nahrungsmittelpreise, Zugang zu Wasser oder Schutz vor Epidemien schieben sich heute in den Vordergrund der internationalen Politik.

Gleichzeitig erheben die rasant wachsenden Schwellenländer – China, Indien, Brasilien und andere – zunehmend einen politischen Gestaltungsanspruch. Sie entwickeln ein neues außenpolitisches Selbstbewusstsein. Diese Länder sind neue Gestaltungsmächte in der Globalisierung. Mit ihnen möchten wir die multipolare Welt zum allseitigen Vorteil gestalten.

Deutschland setzt sich für eine regelgeleitete, stabilisierende Weltordnung ein. Multilateralismus ist der Weg, Frieden und Wohlstand sind das Ziel. Wir brauchen ein gemeinsames Gerüst von Regeln, gerade dann, wenn neue Themen aufkommen und immer mehr Spieler auf dem Platz sind. Auch hier gehen Werte und Interessen Hand in Hand. Deutschland steht für eine Stärkung des Völkerrechts. Eine Welt der gemeinsamen Normen und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist die beste Voraussetzung für Frieden, für Entwicklung, für Sicherheit und für Wohlstand.

Die G20 sind auch deshalb ein wichtiges Format, weil viele Themen heute nur gelöst werden, wenn mindestens diese 20 Länder dazu beitragen. Auf die Stabilität globaler Finanzmärkte sind alle angewiesen, aber weder die USA, noch Europa, noch China können sie allein garantieren. Die G20 sind - wie die G8 - keine Weltregierung, die über das Schicksal anderer bestimmen. Aber natürlich hat solch ein Format auch Symbolwert. Es ist verständlich, dass die neuen Gestaltungsmächte einen Anspruch auf Mitwirkung erheben. Deutschland hat sich deshalb dafür eingesetzt, die Stimmrechte der Schwellenländer in IWF und Weltbank zu erhöhen, damit sie deren neuem Gewicht entsprechen. Wir haben ein Interesse an handlungsfähigen und legitimen internationalen Institutionen.

Mehr Mitsprache bedeutet aber auch mehr Verantwortung. Dabei liegt die Einbindung neuer Spieler im gegenseitigen Interesse. Es freut mich, dass der Beitrittsprozess Russlands zur WTO nun in großen Schritten voran geht. Im Handel setzt die Bundesregierung sich zudem für einen schnellstmöglichen Abschluss der „Doha“-Runde ein. Gleichzeitig unterstützen wir die EU-Kommission in ihrem Bestreben, weitere bilaterale Abkommen zu schließen, wie zuletzt mit Südkorea.

Die Bundesregierung hat ein zukunftsweisendes Rohstoffkonzept verabschiedet. Dazu gehört eine realistische Rohstoffaußenpolitik, die durch Partnerschaften Türen öffnet. Die Kontroverse um seltene Erden ist zudem ein weiterer Beleg dafür, dass freie und klar geregelte Märkte im allseitigen Interesse sind. Deshalb setzen wir auf eine Stärkung des multilateralen Systems. Die Alternative in einer Welt mit wachsender Bevölkerung wäre das, was wir vermeiden müssen: Ein Wettlauf um Bodenschätze, um Vorzugsbehandlung, das Recht des Stärkeren. Wir setzen die Stärke des Rechts dem Recht des Stärkeren entgegen.

Das Herzstück einer Weltpolitik, die auf Kooperation setzt, sind die Vereinten Nationen. Sie haben universelle Legitimität und universelle Reichweite. Sie können verbindliches Völkerrecht schaffen. Alle Staaten begegnen einander auf Augenhöhe. Jedes Land schuldet jedem Land Respekt. Menschenrechte und Frieden brauchen starke Vereinte Nationen. Wir brauchen die Vereinten Nationen für eine Politik, die dem Wohl des Menschen verpflichtet ist. Wir setzen uns auch dafür ein, dass die Arbeit der G20 enger an die Vereinten Nationen angebunden wird.

Unsere Wahl zum nicht-ständigen Mitglied in den Sicherheitsrat für 2011 / 2012 im Wettbewerb mit anderen erstklassigen Kandidaten war ein Vertrauensbeweis und ein Vertrauensvorschuss.

Deutschland wird diese Verantwortung für eine umfassende Friedenspolitik nutzen und übergreifende Themen wie Konfliktprävention und den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten voran bringen.
Die Besetzung des Sicherheitsrats muss den heutigen Realitäten unserer Welt angepasst werden. Denen entspricht es nicht, wenn Afrika und Lateinamerika nicht dauerhaft im Sicherheitsrat vertreten sind und Asien unterrepräsentiert ist.

Deutschland ist an mehreren Friedenseinsätzen beteiligt. Alle haben ein klares Mandat der Vereinten Nationen. Militärische Mittel bleiben für uns ultima ratio. Deutschland steht auch künftig für eine Kultur der Zurückhaltung, wenn es um den Einsatz militärischer Macht geht.

In Afghanistan arbeiten wir für eine politische Lösung. Deutschland bleibt so lange wie nötig militärisch präsent, aber keinen Tag länger. Wir sind dort aktiv, weil es um unsere eigene Sicherheit hier geht. Und wir wollen helfen, den Menschen in diesem geschundenen Land eine neue Zukunftsperspektive zu ermöglichen.
Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik. Deshalb freut es mich, dass Abrüstung und Nichtverbreitung endlich wieder als Zukunftsthemen der internationalen Politik erkannt werden. Wir müssen alles dafür tun, dass Massenvernichtungswaffen nicht zum Fluch der Globalisierung werden. Deshalb ist es richtig, dass die internationale Gemeinschaft gegen Staaten einschreitet, wenn sie entgegen internationaler Verpflichtungen versuchen, sich nuklear zu bewaffnen. Deshalb setzen wir auch auf eine präventive Politik der Entwicklung, um Fundamentalismus und islamistischem Terrorismus den Boden zu entziehen. Eine solche Politik, die im Nahen Osten auf Nicht-Verbreitung und auf gesellschaftliche Modernisierung setzt, leistet auch einen Beitrag zur Sicherheit Israels.

Europa ist unsere wichtigste Antwort auf die Globalisierung. Die europäische Union ist unsere Wohlstandsversicherung. Deutschland profitiert vom Binnenmarkt. Mit Europa können wir auch in der multipolaren Welt von morgen die Globalisierung gestalten.

Europa ist unsere Friedensversicherung. Zum ersten Mal in der Geschichte ist Deutschland nur von Freunden umgeben. Und das ist kein Zufall. Das Kooperationsmodell der europäischen Einigung hat Jahrhunderte der Konfrontation beendet. Kooperation kann anstrengend sein. Sie braucht auch viel Geduld und gute Nerven, das kann ich nach so manchem Sitzungsmarathon in Brüssel aus eigener Erfahrung feststellen. Wer aber die Folgen von Konfrontation kennt, der weiß, dass Kooperation jede Mühe wert ist.

Wir setzen darauf, die innere Einheit Europas zu vollenden. Selbst für ein handelspolitisches Schwergewicht wie Europa gilt: Der Einfluss in der Welt von morgen hängt ab von der Verfassung im Innern. Deswegen müssen wir zuallererst unsere gemeinsame Währung stabilisieren. Der Weg dahin führt über eine Stabilitätskultur, eine solide Haushalts- und eine stärker abgestimmte Wirtschaftspolitik. Nicht der gefährdet Europa, der die Regeln für Stabilität strikter macht, sondern der, der dies unterlässt. Wir müssen den Druck der Krise nutzen, um jetzt notwendige Reformen durchzusetzen.

Deutschland steht dabei selbstverständlich für europäische Solidarität, aber sie muss an die notwendigen ordnungspolitischen Grundsätze gebunden werden, um künftig neue Krisen zu vermeiden. Wir wollen den Stabilitätspakt mit neuer Autorität versehen und drängen darauf, dass die Nationalstaaten zu solider Haushaltsführung zurückkehren. Die Einführung von Mechanismen nach dem Vorbild der deutschen Schuldenbremse könnte den Weg zu neuer Haushaltsdisziplin erleichtern. Außerdem muss die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Staaten gestärkt werden. Investitionen müssen Vorrang vor konsumtiven Ausgaben haben. Bildung und Forschung müssen als Entwicklungschance gesehen werden. Die sozialen Sicherheitssysteme müssen an die veränderte Alterstruktur unserer Gesellschaften angepasst werden. Wenn in Deutschland die Menschen mit 67 in Rente gehen sollen, ist es nur schwer verständlich, dass andere bei einem Renteneintrittsalter von 59 Jahren bleiben wollen. Gerade weil wir europäische Patrioten sind, wollen wir, dass die Chancen der Krise jetzt genutzt werden, um Europa langfristig stabiler zu machen.

Auch wenn im Inneren viele an Krisenbewältigung denken: Die Anziehungskraft der Europäischen Union ist ungebrochen. Allein dadurch war und ist die Europäische Union schon stabilisierender Faktor auch jenseits ihrer Grenzen, ob in Osteuropa oder auf dem Balkan.

Andere Weltregionen nehmen sich die EU zum Vorbild. Regionale Organisationen in Afrika, Lateinamerika oder Asien können eine wichtige Rolle für Frieden und wirtschaftliche Entwicklung spielen, indem sie durch Kooperation regionale Antworten auf regionale Herausforderungen finden.

Die Selbstbehauptung und die Rolle Europas in der globalisierten Welt ruht auf zwei Säulen: auf einem erfolgreichen Binnenmarkt, der sich auf eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik stützt, als innere Grundlage für erfolgreiches Handeln nach außen. Und auf einer kraftvollen Außen- und Sicherheitspolitik, die unsere europäischen Interessen und Fähigkeiten zusammenführt, zur Sicherung von Mitsprache und Gestaltung in globalen Angelegenheiten. Der Weg dahin mag mühsam sein, aber er ist notwendig.

Mit Freiheit, Kooperation und gemeinsamen Regeln lebt Europa vor, was wir auf globaler Ebene mehr brauchen. Europa ist in unserem Interesse und Europa kann in der Welt zum Guten wirken.

Wir arbeiten deshalb daran, dass Europa auch nach Außen geschlossen auftritt. Mit dem Europäischen Auswärtigen Dienst haben wir seit vergangenem Jahr das richtige Mittel dazu. Europa ist das Fundament unserer Außenpolitik. Gerade in der Globalisierung brauchen wir mehr Europa und nicht weniger.

Sie sind europäischer aufgewachsen als Ihre Eltern und deren Eltern. Sie sind globalisierter aufgewachsen als Ihre Eltern und deren Eltern. Sie können alles zugleich sein: Deutsche, Europäer und Weltbürger. Nutzen Sie diese Chance.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Freitag, 21. Januar 2011

Rede des deutschen Außenministers und Vizekanzlers Dr. Guido Westerwelle, bei der 1. Lesung ISAF-Mandatsverlängerung im Deutschen Bundestag




Herr Präsident!

Meine sehr geehrten Damen und Herren! 

Es ist kein Zufall, dass der heutige Tag mit seinen Debatten über Afghanistan und über die Lage in Afghanistan mit einer Regierungserklärung des Ministers Niebel begonnen hat. 

Das bringt klar zum Ausdruck, dass wir vordergründig nicht nur das militärische Engagement sehen dürfen, das von unseren Frauen und Männern der Bundeswehr dort geleistet wird.

Da Soldaten in so großer Anzahl anwesend sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich im Namen des ganzen Hauses bei Ihnen und Ihren Kameradinnen und Kameraden für das, was Sie in Afghanistan leisten, sehr herzlich zu bedanken.

Wir wissen natürlich auch - die Soldatinnen und Soldaten wissen das ganz besonders -, dass wir in Afghanistan nicht erfolgreich sein werden, wenn wir auf eine militärische Lösung setzen. 

Unser militärisches Engagement dient der Absicherung der Stabilität in Afghanistan. Die Fortschritte beim zivilen Aufbau in Afghanistan, die zu erkennen sind, sind sehr bemerkenswert. 

Noch nie hat sich eine Bundesregierung beim zivilen Aufbau in Afghanistan so umfangreich engagiert wie diese Bundesregierung. 

Noch nie hat eine Bundesregierung so viel für den Aufbau und für das Training der Sicherheitskräfte vor Ort getan wie diese Bundesregierung. Ich bitte, dies bei all Ihrer Kritik zu berücksichtigen. Die Lage war anders, als Sie regiert haben.

Aber der zivile Aufbau und seine Absicherung im Interesse der Stabilität des Landes werden natürlich nur ein Teil der Lösung sein können. Entscheidend ist die politische Lösung. 

Diese Einsicht ist der eigentliche Strategiewechsel, der vor ziemlich genau einem Jahr auf der Londoner Afghanistan-Konferenz stattgefunden hat. 

Damals war dieser Wechsel noch sehr umstritten, auch in diesem Hause. 

Aber es zeigt sich, dass das, was die deutsche Bundesregierung mit unseren Bündnispartnern in London ausverhandelt hat, eine richtige Entscheidung gewesen ist. 

Wir werden in Afghanistan den Frieden nicht militärisch schaffen, sondern nur durch eine politische Lösung. 

Das Ziel unseres internationalen Engagements ist es daher, eine politische Lösung zu erreichen, um Afghanistan nachhaltig und dauerhaft zu stabilisieren, damit es auch in der Zeit nach unserem Engagement nicht wieder Hort und Rückzugsort des Terrorismus gegen die Welt werden kann.

Für diesen politischen Prozess ist es von großer Bedeutung, dass wir alle einbinden. 

Deswegen ist nicht die Bedeutung dessen zu unterschätzen, dass auch die regionale Einbindung, das heißt die Einbindung insbesondere der betroffenen Nachbarländer, mehr und mehr gelingt. 

In London hat es mit der Afghanistan-Konferenz angefangen. 

Dann gab es in Kabul zum ersten Mal eine Afghanistan-Konferenz im Land selbst. 

Dort waren alle Beteiligten dabei. Darunter befanden sich übrigens auch die Nachbarländer, die jahrelang nicht mitgewirkt haben. 

Diese Konferenz wurde begleitet von Abkommen zwischen Afghanistan und Pakistan. Solche Handelsabkommen kann man von Mitteleuropa aus als leicht machbar ansehen. 

Wer aber den Hintergrund der Beziehungen zwischen den beiden Ländern kennt, der weiß, dass sie in Wahrheit einen großen Fortschritt darstellen. Iran:

Es gibt viele Fragen - ich nenne zum Beispiel Fragen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel -, die nur mit der Einbindung der Nachbarländer und mit einer entsprechenden Vernetzung beantwortet werden können. All das hat stattgefunden.

Im Herbst des letzten Jahres gab es den Gipfel in Lissabon. (Portugal).

Er bedeutete eine wirkliche Wegmarke. Ich will noch einmal die vier Daten - es sind nicht drei Eckpunkte - unseres Zeitplans, unserer perspektivischen Strategie nennen:

Erstens:  In der ersten Hälfte dieses Jahres wollen wir damit beginnen, die Sicherheitsverantwortung vor Ort in Distrikten oder Provinzen zu übergeben.

Zweitens: Wir sind zuversichtlich, zum Ende des Jahres in der Lage zu sein, dass zum ersten Mal auch die Präsenz unserer Bundeswehr zurückgeführt werden kann.

Drittens: Im Jahre 2014 soll es uns gelungen sein, dass die Sicherheitsverantwortung vollständig an Afghanistan übertragen ist. Das ist nicht nur unser Ziel, es ist ausdrücklich auch das Ziel der afghanischen Regierung, dass es dann keine Kampftruppen von uns mehr im Lande geben muss.

Der vierte Punkt wird regelmäßig vergessen.:

Auch nach dem Jahr 2014 muss sich Deutschland für die nachhaltige Sicherheit in Afghanistan engagieren.

Täten wir das nicht, hätten die Taliban sofort wieder das Sagen.

Sie brächten ihre Saat des Terrorismus in die Welt, und das gesamte Engagement, zum Beispiel der Frauen und Männer der Bundeswehr, wäre vergeblich gewesen. Wir wären da, wo wir waren. Es darf kein zweites Mal ein Vakuum in Afghanistan hinterlassen werden. Das ist das, worum es uns geht.

Ich habe in der Regierungserklärung im Dezember 2010 ausführlich dazu Stellung bezogen:

Entgegen dem, was dort hineingeheimnisst wird, ist es doch völlig klar, dass jeder Zeitplan natürlich immer auch unter dem Vorbehalt steht, dass dann die Lage tatsächlich auch so ist.

Das ist übrigens nicht erstmalig in dieses Mandat textlich aufgenommen worden, sondern das ist wörtlich das, was ich im Dezember im Namen der Bundesregierung in der Regierungserklärung auch gesagt habe.

Mit anderen Worten: 

Ende 2011 wollen wir erstmalig die Präsenz der Bundeswehr reduzieren. Aber es ist doch selbstverständlich, dass wir alles unter den Vorbehalt stellen müssen: soweit es die Lage erlaubt und insbesondere unsere Soldatinnen und Soldaten vor Ort nicht gefährdet werden. Denn wir wollen einen unumkehrbaren, nachhaltigen Prozess der Übergabe der Verantwortung. Das ist das Ziel.

Wenn wir das übrigens nicht tun, wie es klar in dem Antrag der Bundesregierung steht,

(Zuruf Stefan Liebich (DIE LINKE): Da steht gar nichts drin!)

Lesen Sie es nach, dann wissen Sie es. Ich kann es Ihnen noch einmal vorlesen:

Die Bundesregierung ist zuversichtlich, im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung die Präsenz der Bundeswehr ab Ende 2011 reduzieren zu können, und wird dabei jeden sicherheitspolitisch vertretbaren Spielraum für eine frühestmögliche Reduzierung nutzen, soweit die Lage dies erlaubt und ohne dadurch unsere Truppen oder die Nachhaltigkeit des Übergabeprozesses zu gefährden.

Man muss kein Militärexperte sein, es reicht, wenn Sie Ihren Menschenverstand einschalten, dann wissen Sie, dass das der vernünftige Weg ist. Und darauf kommt es auch an.

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:  Herr Bundesminister, der Kollege Nouripour

Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen und deutscher Vizekanzler: Sehr gerne, bitte sehr.

Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Außenminister, Sie haben gerade beschrieben, dass, wenn es möglich ist und die Sicherheitslage es erlaubt, am Ende dieses Jahres die Kontingente der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan reduziert werden sollen. Meine Frage ist: Schließen Sie damit aus, dass zwischenzeitlich durch den Einsatz der AWACS-Flugzeuge die Mandatsobergrenze angehoben oder die flexible Reserve dadurch angebrochen wird?

Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen und deutscher Vizekanzler:
Ich unterstütze die Haltung des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in diesem Punkt, und ich empfehle sie Ihnen auch einmal zur Aufmerksamkeit.

Der SPD-Vorsitzende Herr Gabriel man merkt, ganz allgemein gesprochen, dass Reisen läutert hat heute in einem Interview erklärt, das seien zwei unterschiedliche Vorgänge. Deutschland hat erklärt, dass wir uns derzeit an diesem AWACS-Einsatz nicht beteiligen, weil unser Schwerpunkt auf dem Training und der Ausbildung liegt.

Ansonsten ist es selbstverständlich, dass wir in regelmäßigen Abständen mit unseren Bündnispartnern alles besprechen und alles überprüfen. 

Deswegen ist eine Frage, ob ich etwas ausschließe, vielleicht nett für den parteipolitischen Hickhack, in der Sache ist es absolut unangemessen, wenn man weiß, dass wir nur in einem Bündnis gemeinsam erfolgreich sein können absolut unangemessen!

Ich sage Ihnen das auch, Herr Kollege, weil ich glaube, dass Sie sich von der größeren Oppositionspartei, der SPD, wirklich eine Scheibe abschneiden könnten.

Diese sozialdemokratische Partei ringt mit sich, diskutiert, wägt die Argumente ab und erklärt öffentlich auf den Antrag der Bundesregierung hin, dass sie die Absicht habe, die Soldatinnen und Soldaten nicht alleine zu lassen, und sie ihnen den Rücken stärken wolle.

Bei Ihnen ist das ganz anders. Es hat noch niemals ein Außenminister so viele Soldaten in Auslandseinsätze geschickt wie der grüne Außenminister, nur, dass Sie davon nichts mehr wissen wollen, kaum dass Sie in der Opposition sitzen.

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms: Herr Bundesminister, erlauben Sie noch eine Zwischenfrage des Kollegen Stefan Liebich von der Linken?

Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen und deutscher Vizekanzler: Ja.

Stefan Liebich (DIE LINKE):
Sehr geehrter Herr Außenminister, Sie haben gerade ein paar Passagen aus dem Text vorgelesen, der hier zur Abstimmung steht, allerdings nicht aus dem Teil, über den abgestimmt werden soll. Können Sie bestätigen, dass die Bedingung, die die SPD für ihre Zustimmung gestellt hat, im Beschlusstext des Antrags der Bundesregierung überhaupt nicht erfüllt wird und dass das, was Sie hier vorgelesen haben, sowie jede Zahl, die einen Abzug andeutet, lediglich in der Begründung des Regierungsantrags stehen?

Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen und  deutscher Vizekanzler:
Ich will Ihnen kurz antworten. Sie sind doch nicht erst seit ein paar Wochen, sondern schon seit ein paar Monaten im Deutschen Bundestag.
Sie müssen doch wissen, Herr Kollege, bei allem Respekt, dass es immer so gewesen ist, dass wir einen Antragstext vorlegen und dass die Begründung natürlich auch die politische Einbettung dieses Antragstextes darstellt. Soll denn der Deutsche Bundestag ernsthaft beschließen, dass die Bundesregierung zuversichtlich sei? Ich glaube, hier sollte der Deutsche Bundestag etwas selbstbewusster sein. Wir haben eine Parlamentsarmee und keine Regierungsarmee. Deswegen hat dieser Deutsche Bundestag das letzte Wort; alles andere ist surreal.

Wir haben dann die Aufgabe, den Prozess, den wir hier hoffentlich gemeinsam oder jedenfalls mit großer Mehrheit verabschieden werden, in diesem Jahr handwerklich voranzubringen.

Für die politische Lösung, die wir anstreben, haben wir im letzten Jahr drei wichtige Wegmarken gehabt:

London, Kabul und die Konferenz in Lissabon.

In diesem Jahr werden wir eine sehr wichtige Wegmarke bei uns in Deutschland haben,:

nämlich die Afghanistan-Konferenz in Bonn.

Ich sage Ihnen voraus, dass diese Konferenz, die am Ende des Jahres stattfinden wird, die Schwerpunkte haben wird, um die es geht: die politische Lösung, Reintegration, auch Aussöhnung, den Dialog.

In den Mittelpunkt dieser Afghanistan-Konferenz muss aber auch die Zeit ab 2014 rücken. Das war der Gedanke, bevor die Zwischenfragen gestellt worden sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer heute in Afghanistan den Eindruck hinterlässt, ab 2014 sei man dort auf sich allein gestellt, weil wir uns für die Menschen dort nicht mehr interessieren, sie könnten machen, was sie wollen, und sollten zusehen, wie sie klarkommen, der wird nur erreichen, dass es weder Fortschritte bei der guten Regierungsführung sowie bei der Bekämpfung des Drogenhandels und der Korruption noch Fortschritte im demokratischen Prozess geben wird, den wir alle wollen. Dann riskiert man, dass genau die Partner, die wir brauchen, um das Land auf Dauer sicher aufzubauen, nichts mehr mit uns zu tun haben wollen, weil sie anschließend um ihr Leben und das ihrer Familien fürchten müssen.

Weil so etwas keine verantwortungsvolle Politik wäre, wollen wir einen Prozess der Übergabe der Verantwortung in Verantwortung. Man bringt etwas verantwortungsvoll zu Ende, was man gemeinsam im Bundestag beschlossen hat, und man enttäuscht nicht die Freunde, die man braucht, um mit Blick auf Terrorismus auch unsere eigene Sicherheit hier in Deutschland vergrößern zu können.

Wir haben im Rahmen unserer Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Koordination für Afghanistan übernommen.

Ich werde deswegen regelmäßig hier im Deutschen Bundestag zu diesem Thema sprechen.

Ich gehe davon aus, dass wir darüber regelmäßig in den Ausschüssen diskutieren werden.

Ich kann Ihnen zusagen, dass ich Sie Ihre Obleute und Ihre Repräsentanten , wo immer ich kann, über die Fortschritte parlamentarisch auf dem Laufenden halten werde.

Ich glaube, das konnten Sie in den letzten Monaten verfolgen; das soll so fortgesetzt werden.

Ich glaube nämlich, dass eine breite Mehrheit im Deutschen Bundestag viel weniger eine Angelegenheit der Politik als eine klare Rückendeckung für die Frauen und Männer der Bundeswehr ist, die in Afghanistan ihren Kopf für unsere Freiheit und unsere Sicherheit hinhalten.

Eine solche breite Mehrheit ist auch für unsere internationalen Verbündeten, für unsere Bündnispartner wichtig, damit sie wissen: Das wird von der Politik in der Breite getragen.

Man muss in der Politik bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn es einen in den Umfragen vielleicht das eine oder andere Prozentpünktchen kostet.

Es geht erst einmal um die Sicherheit, die Freiheit, die Zukunft unseres Landes und Afghanistans. Meine Damen und Herren von der Opposition, von den Grünen, Sie sollten sich ein Beispiel an den Sozialdemokraten nehmen. Wenn ich das sage, sollte Sie das nachdenklich machen.


Herzlichen Dank.

  • Frauen auf Partnersuche
    Suchen auch Sie niveauvolle Frauen bei der Partnerbörse Deutschlands!
    www.Frauen.Partnersuche.de
  • Fernkurse für Soldaten
    Weiterbildung mit SGD Fernkursen - Finanzielle Förderung für Soldaten!
    www.sgd.de
  • Profi Rhetorik Training
    29.-30. März, wenig Teilnehmer viele Übungen, noch 3 Plätze frei
    www.rhetorikkurs.com
  • Bundeswehr Leopard 1
    Angebot: Bundeswehr Leopard 1. Bundeswehr Leopard 1 billig!
    Kaufen.com/Bundeswehr+Leopard+1


Dienstag, 11. Januar 2011

Deutscher Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Guido Westerwelle eröffnete Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" im Lichthof des deutschen Auswärtigen Amts



Bei der Ausstellungseröffnung © photothek / Imo


2011 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 50. Mal.


Anlässlich des Jahrestages erinnert derzeit die Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" im Lichthof des deutschen Auswärtigen Amt in Berlin an die Zeit, in der die Berliuer Mauer Ost und West trennte, bevor sie 1989 fiel.

"Sie wurde eingedrückt, und zwar von Menschen, von Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihrem Freiheitswillen dieses Monument der Unfreiheit eingestürzt haben und zwar von Osten in Richtung Westen", sagte der deutsche Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Guido Westerwelle bei der Eröffnung der Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland "im Lichthof des Auswärtigem Amt in Berlin.

Der Freiheitswille der Menschen in der DDR habe zu "einem der glücklichsten Momente in der deutschen Nachkriegsgeschichte" geführt, und schließlich auch dazu, "dass 1990 die Wiedervereinigung die Spaltung unseres Landes überwunden hat, für die die Mauer stand", erklärte der deutsche Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Westerwelle bei der Ausstellungseröffmung in Berlin.

 

Bringschuld der Älteren


Es sei wichtig, dass man die Mauer nicht nur als Geschichte betrachte, sondern "dass wir sie als eine Geschichte immer und immer wieder erzählen", so der deutsche Außenminister und Vizekanzler .

Geschichte sei keine Holschuld der Jüngeren, sondern eine Bringschuld der Älteren, die sie erlebt haben. "Das ist auch unser Auftrag mit einer solchen Ausstellung", sagte der deutsche Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Guido Westerwelle bei der Ausstellungseröffnung im deutschen Auswärtigem Amt.


Bundesminister Westerwelle eröffnet die Ausstellung "Die Mauer" © photothek/Imo

Der deutsche Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Westerwelle eröffnete die Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" in Berlin.

© photothek/Imo



Vergrößern 


Genauso wenig, wie es selbstverständlich sei, dass wir heute in einem vereinigtem Deutschland leben, so sei es auch keine Selbstverständlichkeit, dass wir in Europa friedlich und zum ersten Mal in der deutschen Geschichte umgeben von Nachbarstaaten lebten, die mit uns in Freundschaft, demokratisch unter demselben europäischen Dach verbunden sind, meinte der deutschen Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Westerwelle bei der Eröffnung der Ausstellung im deutschen Auswärtigen Amt in Berlin.

 

Europa im Herzen


"Das sollte uns über manche Schwierigkeit hinwegtragen und manche Mühseligkeit, die natürlich auch mit europäischer Koordination und europäischer Politik immer wieder verbunden ist", betonte der deutsche Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Westerwelle.

Neben dem deutschen Bundesaußenminister und Vizekanzler Dr. Westerwelle nahmen an der Ausstellungseröffnung in Berlin auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung, der SED-Diktatur Rainer Eppelmann, sowie weitere DDR-Bürgerrechtler an der Eröffnung der Ausstellung teil.

In Zusammenarbeit mit den deutschen Zeitungen "BILD" und "Die Welt" hat die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur die Ausstellung mit 20 großformatigen Plakaten erarbeitet.

Die Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" ist bis zum 28. Januar 2011 im Lichthof des Auswärtigen Amts zu sehen sein. 

Die Ausstellung wird darüber hinaus an vielen Schulen und öffentlichen Orten wie Rathäusern, Stadtbibliotheken oder Kirchen in ganz Deutschland sowie im Ausland gezeigt werden.




Weitere Informationen zur Ausstellung "Die Mauer - Eine Grenze durch Deutschland" finden Sie unter:


  • Lust auf günstig reisen?
    Die günstigsten Angebote jede Woche kostenlos: Newsletter abonnieren!
    www.travelzoo.de
  • Alltag hinter der Mauer
    50 Dokumentation "Das war die DDR", 40 Jahre der Geschichte für € 1,99!
    www.atlas-editions.de
  • wer-kennt-wen.de
    Sei überrascht wen Du hier alles triffst!
    wer-kennt-wen.de
  • Gewerbesteuer 2011
    Teure Fehler vermeiden + bares Geld sparen. GSt-Rechner jetzt gratis!
    Firmensteuern.de/GSt-Rechner


    Endlich sicher reden?
    Audio-CD zeigt, wie Sie sicher und angstfrei vor Gruppen sprechen!
    www.KunstDesAuftritts.de

Stand 11.01.2011

Donnerstag, 6. Januar 2011

Rede von FDP-Chef Dr. Guido Westerwelle auf dem Dreikönigstreffen 2011 der FDP in Stuttgart am 6. Januar 2011


Redemanuskript: Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

in diesem Jahr jährt sich der Bau der Mauer zum 50. Mal. Die Mauer wurde 1961 gebaut. 1989 wurde sie durch den Freiheitswillen der Menschen im Osten eingedrückt. 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt.
Viele internationale Partner fragten sich damals: „Was wird aus Deutschland?“ „Kann man Deutschland vertrauen?“
20 Jahre danach, im Oktober letzten Jahres, wurde Deutschland zum ersten Mal im kontroversen Wettbewerb, in einer geheimen Wahl, mit Zwei- Drittel-Mehrheit im ersten Wahlgang wieder in den Sicherheitsrat gewählt. Deutschland ist ein geschätztes Mitglied der Völkergemeinschaft.

Kein vergleichbares Land ist im letzten Jahr so gut aus der Krise gekommen wie Deutschland. Die Wirtschaft wächst. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Renten werden steigen. Und wir haben so viele Arbeitsplätze wie nie zuvor.

Ja, Deutschland hat auch Probleme. Kritik und Selbstkritik sind Bürgerpflicht. Aber gerade zu Beginn eines Jahres darf man auch innehalten und es aussprechen: Wir können stolz sein auf unser Land.
Wir sind stolz auf die Leistung der Bürgerinnen und Bürger. Denn der Erfolg Deutschlands ist zuerst das Ergebnis von Fleiß und harter Arbeit der Menschen.

Auch wir Liberalen können stolz sein auf unseren Beitrag zur deutschen Erfolgsgeschichte.

Wir haben so manches Kapitel davon geschrieben.

Die soziale Marktwirtschaft ist zu Beginn der Bundesrepublik gegen große Widerstände eingeführt worden.

Wer für die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie und die neue Ostpolitik war, der wurde Anfang der siebziger Jahre als Verzichtspolitiker diffamiert.

Ich erinnere mich, wie Millionen Menschen Anfang der achtziger Jahre gegen den Nato-Doppelbeschluss auf die Straße gegangen sind. Aber Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher haben gegen Demonstrationen, gegen Kommentatoren und gegen Umfragen das als richtig Erkannte durchgesetzt. Spätestens bei der deutschen Wiedervereinigung wurde aber klar, wie weitsichtig und richtig diese Entscheidungen waren.

Wer ein Land führen will, der muss Durststrecken ertragen. Wer erfolgreich regieren will, der muss Widerstand überwinden. Zukunft braucht Entschlossenheit.
Liberale fragen nie zuerst: „Wie kommt was an?“ sondern immer: „Was ist richtig?“ Die Demoskopie ist nicht Maßstab unserer Meinung. Unsere Ideale, unsere Überzeugungen, unsere Werte bestimmen unseren Kurs. Deutschland braucht eine politische Kraft, die sich ohne Wenn und Aber für die Freiheit zur Verantwortung einsetzt. Das war bei allen Erfolgen zu wenig erkennbar. Das haben wir verstanden. Das werden wir ändern.

Anrede,

als Außenminister ist es meine Aufgabe, Deutschlands Interessen im Ausland zu vertreten. Es ist auch meine Aufgabe, zu sagen, welche Herausforderungen sich für Deutschland aus den internationalen Entwicklungen ergeben.

Derzeit leben gut 6,9 Milliarden Menschen auf der Erde.

Das sind rund 80 Millionen Menschen mehr als vor einem Jahr.

Anders ausgedrückt: Die Weltbevölkerung wächst jedes Jahr ungefähr um die Einwohnerzahl Deutschlands. Mitte 2011 wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Marke überschreiten.

In China leben rund 1,4 Milliarden und in Indien rund 1,2 Milliarden Menschen, Tendenz steigend. Beide Länder haben den Ehrgeiz, ihren Menschen mehr Wohlstand zu verschaffen.

Wir im Westen glauben noch immer, den Taktstock fest in unseren Händen zu halten. Jahrhunderte mag das so gewesen sein. Heute aber wird die Musik zunehmend auch woanders gespielt.

Die Frage, wovon wir Deutschen in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren leben sollen, wird längst nicht mehr nur von uns selbst entschieden. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht durch falsche Entscheidungen unsere Chancen für die Zukunft verschlechtern, weil wir Stimmungen nachgeben, anstatt beherzt anzupacken.

In dem Moment, in dem wir unsere Lebensqualität hier für selbstverständlich halten, beginnen wir sie zu verlieren.

Ob in Lateinamerika, Südafrika oder in Asien: Eines verbindet die Aufsteiger-Länder. Das sind junge, dynamische Gesellschaften, für die drei Ziele zentral sind: Sie setzen auf eine wachsende Mittelschicht. Sie investieren in die Bildung und Ausbildung ihrer Jugend. Und sie haben Lust auf Veränderung, weil sie in der Veränderung die Chance auf Verbesserung sehen.

Die Lebensverhältnisse dieser Länder kann man nicht mit unseren vergleichen. Aber wenn wir genau hinsehen, dann erkennen wir, dass eine starke Mittelschicht, gute Bildung und die Lust anzupacken auch die Zutaten für die deutsche Erfolgsgeschichte der letzten 60 Jahren waren.

Deutschland muss ein Land sein, dass sich auf die Zukunft freut und nicht vor ihr fürchtet. Wir brauchen in der Politik Mutmacher und keine Schlechtredner. Wir dürfen nicht nur Krisen verwalten, sondern wir müssen die Zukunft gestalten. Wir wollen ein Land der Einsteiger und nicht der Aussteiger sein.

Anrede,

die Mittelschicht ist das Rückgrat der Gesellschaft. Sie ist die Klammer zwischen Arm und Reich. Die Mittelschicht ist die Garantie für die Durchlässigkeit unserer Gesellschaft und dafür, dass es jeder schaffen kann, weil die Gräben nicht unüberwindbar werden.

Was die Mittelschicht für die Gesellschaft, ist der Mittelstand für die Wirtschaft. Im letzten Jahr hat es einen außergewöhnlichen Aufschwung gegeben. Manche meinen, das liege nur an der Weltwirtschaft. Damit ist aber nicht erklärbar, warum Deutschland so viel besser dasteht als seine Nachbarn.

Die Jugendarbeitslosigkeit hier in Baden-Württemberg beträgt dank der klugen Politik der christlich-liberalen Landesregierung nur 2,7 Prozent. Andere große Länder in Europa haben mit 30, 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen.

Wir haben für die Betriebe die Regeln bei der Unternehmenssteuer verbessert und die Erbschaftssteuer gerechter gemacht. Manche sagen, das sei Klientelpolitik.

Wir sagen: Eine gute Mittelstandspolitik ist die beste Arbeitnehmerpolitik, die man überhaupt machen kann.
Wir haben in Berlin umgesteuert. Wir haben die Mitte entlastet. Wir haben Familien gestärkt und das Kindergeld erhöht. Der Bund der Steuerzahler hat ausgerechnet, dass die Arbeitnehmer aller 54 Einkommensgruppen 2011 auf dem Lohnzettel besser dastehen als vor dem Regierungswechsel.
Eine Familie mit 2 Kindern und einem Bruttoverdienst von 3.600 Euro hat im Jahr 2011 knapp 500 Euro mehr als vor dem Regierungswechsel. Man kann sagen: Das reicht noch nicht. Oder man sagt: Die Richtung stimmt.

Alleinstehende mit einem Monatsbrutto von 2.600 Euro haben heute über 400 Euro mehr als vor dem Regierungswechsel. Man kann sagen: Das reicht noch nicht. Oder man sagt: Die Richtung stimmt.

Wir haben fast 40 Maßnahmen zur Steuervereinfachung beschlossen. Man kann sagen: Das reicht noch nicht. Oder man sagt: Die Richtung stimmt.

Alles, was von diesen Vereinbarungen technisch machbar ist, wird auch schon für 2011 in Kraft gesetzt.

Anrede,

Allein im Gesundheitswesen haben wir nach Regierungsübernahme neun Milliarden Euro Altschulden vorgefunden. Etwa jedes fünfte Krankenhaus hätte man rechnerisch schließen müssen, hätte die Regierung nicht gehandelt. Gegen große Widerstände steigen wir ein in ein wettbewerbliches Gesundheitssystem. Schritt für Schritt. Man kann sagen: Das reicht noch nicht. Oder man sagt: Die Richtung stimmt.

Anrede,

im vergangenen Frühjahr haben wir eine wichtige Diskussion zum Sozialstaat geführt. Die Diskussion führt zu handfesten Ergebnissen in der Sozialpolitik. Wir haben die Leistungsgerechtigkeit gestärkt und die soziale Gerechtigkeit verbessert.

Auf Drängen der FDP wurde Schonvermögen verdreifacht: Wer sein Leben lang vorsorgt und spart, behält jetzt mehr als derjenige, der sein Geld verlebt.

Wir Liberale haben dafür gesorgt, dass das Geld für Ferienjobs nicht mehr auf das Arbeitslosengeld II von Eltern angerechnet wird. Wenn Kinder in der Ferienzeit oder nach Schulschluss arbeiten, erleben sie jetzt, dass sich ihre Anstrengung lohnt.

Zur Leistungsgerechtigkeit in der Sozialpolitik gehört, dass man auch an diejenigen denkt, die unseren Sozialstaat finanzieren: Hartz IV soll den Grundbedarf sichern. Deshalb haben wir bei der Neuberechnung der Regelsätze Alkohol und Tabak nicht mehr berücksichtigt. Wir geben das Geld für die Bildung der Kinder aus und nicht mehr für Alkohol und Zigaretten für die Eltern.

Jedem jungen Menschen unter 25 Jahren soll innerhalb von 6 Wochen ein Angebot für einen Arbeitsplatz, eine Ausbildungsstelle oder eine andere sinnvolle Tätigkeit gemacht werden. Diese Angebote sind dann verpflichtend.

Das ist der aktivierende Sozialstaat, der Wege aus der Bedürftigkeit heraus weist. Denn Hartz IV darf kein Lebensentwurf sein.

In der Sozialpolitik, in der Wirtschaftspolitik und in der Steuerpolitik gilt: Leistung muss sich lohnen. Und wer arbeitet muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet.

Unser liberales Gesellschaftsbild dreht sich nicht nur um Ökonomie oder Finanztechnik. Wir wollen keine Ellenbogenkultur und schon gar keine Ich-Gesellschaft.

Es geht viel mehr um die Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Nächstenliebe ist nicht zuerst Aufgabe staatlicher Institutionen, sondern Nächstenliebe ist zuerst private Verantwortung.

Hilfe von Mensch zu Mensch und die Anerkennung, als Mitglied der Gesellschaft wahrgenommen zu werden, ist ein Wert des Liberalismus.

Anrede,

gute Bildungspolitik ist vorsorgende Sozialpolitik. Wir geben trotz der notwendigen Haushaltskonsolidierung Bildung Vorrang. Noch nie hat eine Bundesregierung so viel in Bildung investiert wie diese. Das bedeutet ganz konkret:

Durch das Bildungspaket können Kinder von Hartz IV-Familien und Geringverdienern stärker an
Sport-, Kultur- und Musikangeboten teilnehmen.

Durch unsere BAFöG-Reform haben 873.000 Schüler und Studenten bereits ab diesem Wintersemester mehr Geld in der Tasche. Weil wir den Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert haben, werden in den kommenden Jahren noch mehr junge Menschen von dieser Politik profitieren.

Mit dem Deutschlandstipendium werden 10.000 hervorragende Studierende ab dem Sommersemester dieses Jahres mit monatlich 300 Euro unterstützt.
Bildung ist die zentrale Zukunftsfrage.

Es steht jeder Gesellschaft gut an, sich von Zeit zu Zeit selbst zu prüfen, wie zukunftstauglich sie ist. Das ist es, was ich mit der geistig-politischen Wende meine.

Es gibt drei Tendenzen, denen wir Liberale uns entgegenstellen müssen.

1.) Die Verweigerung der Zukunft

2.) Die Wiederkehr der Staatsgläubigkeit

3.) Die Renationalisierung der Ansichten

1.) Die Verweigerung der Zukunft

Dieses Phänomen kommt besonders geländegängig daher: „Wir haben doch alles“. „Es reicht doch so“. „Alles soll so bleiben wie es ist“. „Warum Neues wagen?“.

1.) Die Verweigerung der Zukunft

Für frühere Generationen war es selbstverständlich sich anzustrengen, damit es den Kindern einmal besser geht. Heute meinen manche, so wie es ist, kann es bleiben. Stillstand wäre auch ganz gut. Aber in der Globalisierung ist Stillstand Rückschritt.

Es gibt zwei Kräfte, die den Weg von Gesellschaften bestimmen: Furcht und Hoffnung.

Viele politische Kräfte schüren die Furcht: Das Neue kennt man nicht. Was man nicht kennt, versteht man womöglich auch nicht. Was man nicht versteht, ist bestimmt gefährlich.

Und dann gibt es die Kräfte, zu denen wir Liberale zählen. Wir setzen auf die Zuversicht. Die FDP ist eine optimistische, lebensbejahende politische Kraft.

Es geht um die mentale Standortfähigkeit unseres Landes.

Es geht um die Frage, ob wir eine Gesellschaft werden, die das Moratoriums-Nein zum obersten Prinzip erhebt.

Fortschrittsverweigerung darf nicht das Sagen haben, weil sonst nichts mehr geht bei neuen Technologien, Bahnhöfen, Flughäfen, Stromleitungen und jetzt sogar bei Olympischen Spielen in Deutschland. Wer immer nur „nein“ sagt, verliert, was das Leben in Deutschland so lebenswert macht.

Kein vernünftiger Mensch glaubt doch, als Industrieland könnten wir heute gleichzeitig aus Kohle und Kernkraft aussteigen.

Wir haben in der Regierung das mutigste und ehrgeizigste Energiekonzept aller Zeiten beschlossen. Liberale sagen ja zu erneuerbaren Energien. Aber das Zeitalter der Erneuerbaren erreichen wir nur, wenn wir Brücken in die Zukunft bauen.

Die zentrale politische Auseinandersetzung dieses Jahres verläuft zwischen der Angst vor Fortschritt und dem Mut zur Zukunft.

Die Opposition handelt nach dem Motto: Ob Sonne oder Regen, Hauptsache dagegen. Damit ist kein Staat zu machen.

Die FDP setzt auf den Mut zur Zukunft, weil wir Wohlstand für alle wollen.

Anrede,

nehmen Sie die neuen Möglichkeiten in der Medizin, beispielsweise die Präimplantationsdiagnostik. PID hilft, schwere Erbkrankheiten zu erkennen. Fehlgeburten, Totgeburten und Abtreibungen können so verhindert werden.

Wir sehen auch die schwierigen ethischen Fragen. Jede persönliche Gewissensentscheidung, PID nicht zu nutzen, verdient unseren Respekt. Aber Paare in schwierigen Situationen müssen zumindest die Möglichkeit für PID haben, damit ihnen geholfen werden kann.

Zukunft gewinnt nur der, der die Bereitschaft zur Veränderung hat. Veränderung ist immer auch Risiko. Wer aber alle Risiken ausschließen will, der verpasst auch alle Chancen.

2.) Die Wiederkehr des wohlwollenden Staates

In Zeiten, die unsicher erscheinen, sehen viele den Staat als vermeintlich sicheren Anker. Jedem neuen Problem wird eine staatliche Antwort gegeben.

Gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise hat bei manch einem die Illusion genährt, mit immer neuen staatlichen Antworten, mit immer mehr Staat, könne man die Dinge wieder ins Lot bringen.

Ich hatte kürzlich eine Diskussion mit Oskar Lafontaine. Er schlägt als Lösung für die Bankenkrise die Verstaatlichung der Banken vor. Dabei waren es doch gerade Landesbanken, die bei riskanten Spekulationen keinerlei Hemmungen kannten. Und was soll man bei Staatsbanken noch verstaatlichen?

Dieser Tendenz zur Verstaatlichung müssen wir eine vernünftige Balance von Staatlichkeit und Gesellschaft entgegensetzen. Nicht in dem Sinne, dass wir einen schwachen Staat wollen. Wir Liberale wollen einen starken Staat, aber stark ist der Staat, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert.
Stark ist der Staat, der klare Regeln aufstellt. Schwach ist der Staat, der sich überall einmischt und bürokratisch verzettelt. Stark ist der Staat, der die Einhaltung seiner Regeln, zum Beispiel bei der Lebensmittelsicherheit, auch kontrolliert.

In Europa haben wir seit Anfang des Jahres die weltweit erste länderübergreifende Finanzaufsicht.

Wir gehen raus aus der schuldenfinanzierten Subventionswirtschaft der Krisenjahre. Direkte Staatshilfen, wie zum Beispiel bei Opel, wurden, anders als vor dem Regierungswechsel, nicht gewährt. Das Krisen-Instrument des Kurzarbeitergeldes lassen wir mit Augenmaß auslaufen.

Anrede,

Privat vor Staat ist mehr als Wirtschaftspolitik. Privat vor Staat ist auch unser Anspruch in der Innen- und Rechtspolitik, zum Beispiel bei der Privatsphäre.

In Artikel 1 unseres Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

In unserer Verfassungsordnung steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Staat hat dem Menschen zu dienen und
nicht umgekehrt.

Manche meinen, wir brauchen immer mehr Gesetze. Aber nicht mehr Paragraphen, sondern nur mehr Polizisten machen unsere Straßen sicherer.

Es ist auch keine Lösung, die Bundeswehr zur Hilfspolizei zu machen. In Katastrophenfällen können Soldatinnen und Soldaten bereits heute eingesetzt werden.

Wir haben kein Gesetzesdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit. Das ist der Grund, warum wir im Bund allein in diesem Jahr fast 600 zusätzliche Stellen im Bereich der inneren Sicherheit schaffen, obwohl wir insgesamt beim Bund in den nächsten Jahren über 10.000 Stellen abbauen werden.

Dann gibt es die Vorstellung, man steigere die Sicherheit eines Landes, in dem man ohne Anlass möglichst viele Daten über alles und jeden sammelt.

Aber aus einer Datenflut wird noch lange kein Informationsgewinn. Im Gegenteil, die Gefahr wird größer, dass das wirklich Wichtige in der Masse des Unwichtigen verschwindet.

Jeder Eingriff in die Privatsphäre des Bürgers braucht eine besondere Rechtfertigung. Es ist ja nicht so, dass der Staat dem Bürger die Freiheitsrechte gewährt. Umgekehrt, der Bürger gewährt dem Staat Eingriffe in seine Freiheitsrechte, damit der Staat Sicherheit für die Bürger gewährleisten kann. Deswegen ist richtig, nicht gleich mit immer neuen Gesetzen auf Gefährdungen zu reagieren. Wir dürfen es nicht zulassen, dass die terroristischen Bedrohungen genau das einschränken, was diese Fanatiker so ablehnen: nämlich unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung.

3.) Die Renationalisierung der Ansichten

Die Globalisierung fordert uns. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist eine Belastung für viele Menschen.
Aber kann unsere Antwort darauf sein, uns zurück zu ziehen? Wäre uns damit gedient, wenn wir uns abschotten?
Das Gegenteil ist richtig. Wir müssen ein weltoffenes Land bleiben.

Die beste Antwort auf die Globalisierung ist Europa. Europa ist deutsches Interesse.

Die Europäische Union ist unsere Wohlstandsversicherung.

Fast drei Viertel unserer Exporte gehen nach Europa. Etwa zwei Drittel unserer Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Export ab. Europa mehrt den Wohlstand unserer Bürgerinnen und Bürger hier in Deutschland, gerade auch hier in Baden-Württemberg.

Die Euro-Krise hat gezeigt, dass es ein einfaches „weiter so“ in Europa nicht geben darf. Wer Europa bewahren will, muss die Lehren aus der Krise ziehen, und zwar jetzt.

Wir müssen unsere Währung schützen, Geldwertstabilität sichern und die Fundamente der Haushalts- und Wirtschaftspolitik in Europa in Ordnung bringen. Nicht der gefährdet Europa, der die Regeln für Stabilität strikter macht, sondern der, der dies unterlässt.

Im vergangenen Jahr haben wir in vielen Schritten und in manchmal harten Verhandlungen mehr europäische Integration erreicht. Wer nicht solide wirtschaftet, dem wird früher in den Haushalt gesehen. Denn die Voraussetzungen für einen dauerhaft stabilen Euro sind eine gesunde Haushaltspolitik und eine wettbewerbsfähige, abgestimmte Wirtschaftspolitik.

Solidarisch handelt nicht der, der Blankoschecks ausstellt. Solidarisch mit der Stabilität Europas ist, wer auf die Einhaltung unserer Regeln achtet.

Ob im Notfall Hilfe fließt, soll nicht an Deutschland vorbei entschieden werden können. Private Gläubiger müssen am Risiko beteiligt werden. Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit.

Nicht nur Banken können systemrelevant sein. Systemrelevant ist auch die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu Europa. Wer den Euro härter macht, der schützt die Steuerzahler – die in Deutschland, und alle anderen überall in der EU.

Anrede,

Europa ist unsere Friedensversicherung. Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist Deutschland nur von Freunden umgeben. Konflikte werden in Europa nicht mehr auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern am Verhandlungstisch.

Jedes Land schuldet jedem Land Respekt.

Jeder Mensch schuldet jedem Menschen Respekt.

Anrede,

da gab es im vergangenen Jahr ein Buch über die Probleme der Migration hier bei uns. Die Aufregung war groß, die Urteile waren schnell gefällt. Ich habe damals für die Freien Demokraten erklärt:

Wir teilen vieles nicht, was da gesagt wird, insbesondere bestimmte Gentheorien. Aber ein solches Buch muss die Republik ertragen können. Das gehört zur Meinungsfreiheit.

Wir stehen für aktive Toleranz, die im Anderssein und Andersdenken der Mitmenschen eine persönliche Bereicherung erkennt. Und wir stehen zur Unverrückbarkeit unserer Werte.

Wir stellen die deutsche Sprache ins Zentrum der Integration.


Die Teilhabe an unserer Gesellschaft ist nur demjenigen möglich, der Deutsch spricht. Das setzen wir praktisch um und bauen den vorschulischen Bereich aus.

Wir investieren in die Qualifikation unserer Erzieherinnen und Erzieher, damit die Sprachförderung früher einsetzt.

Es ist unser Ziel, dass alle Kinder bei ihrer Einschulung Deutsch sprechen.

Wer dauerhaft in Deutschland leben will, muss die deutsche Sprache lernen und die Regeln des Zusammenlebens akzeptieren, so wie es unsere Verfassung vorsieht.

Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit sind die liberalen Werte unseres Grundgesetzes. Sie gelten überall, sie sind universell.

Seit fast drei Monaten sind zwei deutsche Journalisten im Iran in Haft. Sie wollten über eine Iranerin berichten, die zum Tode verurteilt ist. Wir werden nicht locker lassen, bis unsere beiden Landsleute in die Arme ihrer Angehörigen zurückkehren können.

Wir setzen uns weltweit für Menschenrechte ein: Wenn Journalisten nicht berichten dürfen, wenn ihnen Strafe oder Tod droht, sei es vom Staat oder von Fanatikern, dann ist auch unsere freie Presse bedroht.
Wenn Christen verfolgt oder sogar umgebracht werden, dann ist dies unsere Angelegenheit. Wenn in anderen Ländern jemand mit dem Tode bedroht wird, weil er zum Christentum konvertiert, schauen wir nicht weg. Keine Religion rechtfertigt Mord.

Die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger überall auf der Welt sind unteilbar.

Anrede,

wir sind in Afghanistan, um uns zu schützen und den Afghanen zu helfen. Wenn Terroristen dort Rückzugsräume nutzen, um Anschläge bei uns zu planen, dann ist unsere Freiheit in Gefahr.

Unser Einsatz in Afghanistan ist richtig. Richtig ist aber auch, dass er nicht endlos dauern darf.

Wir haben uns im letzten Jahr eine Abzugsperspektive erarbeitet. Die Bundesregierung ist zuversichtlich, im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung die Präsenz der Bundeswehr ab Ende 2011 reduzieren zu können und wird dabei jeden sicherheitspolitisch vertretbaren Spielraum für eine frühestmögliche Reduzierung nutzen, soweit die Lage dies erlaubt und ohne dadurch unsere Truppen oder die Nachhaltigkeit des Übergabeprozesses zu gefährden. 2014 wollen wir die Sicherheitsverantwortung in vollem Umfang an die Afghanen übergeben.

Dann sollen keine deutschen Kampftruppen mehr am Hindukusch im Einsatz sein.

Politik muss die Lage vor Ort so gestalten, dass eine Beendigung des militärischen Einsatzes in Reichweite kommt. Genau das haben wir auf den internationalen Konferenzen in London, in Kabul und in Lissabon geschafft, gemeinsam mit den Afghanen, die ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen wollen. Auf diese Fortschritte bauen wir jetzt auf: Mit der Übergabe erster Provinzen in afghanische Verantwortung, mit einer internationalen Afghanistankonferenz Ende 2011 hier in Deutschland und mit einer ersten Reduzierung der deutschen Präsenz noch in diesem Jahr.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, all unseren Landsleuten zu danken, die in Afghanistan jeden Tag aufs Neue im Einsatz sind. Ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit hat unser Land, haben wir alle viel zu verdanken.

Ihr Einsatz ist gefährlich und auch in diesem Jahr haben wir schmerzliche Verluste erlitten. Unsere Gedanken sind bei denen, die ihren mutigen Einsatz in Afghanistan mit ihrem Leben bezahlen mussten, bei den Hinterbliebenen, bei den Verwundeten und ihren Familien.

Anrede,

deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik. Das bedeutet, dass wir uns für friedliche Konfliktlösungen international engagieren und Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel im Sudan, wo am Sonntag das Referendum beginnt. Deutschland steht aber auch künftig für eine Kultur der Zurückhaltung, wenn es um den Einsatz militärischer Macht geht.

Abrüstung ist endlich wieder als Zukunftsthema der internationalen Politik anerkannt. Wir Liberale werden uns mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die erfreuliche Dynamik, die die Diskussion über Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung im vergangenen Jahr gewonnen hat, auch 2011 weiter an Fahrt gewinnt.

Anrede,

mit dem Dreikönigstreffen eröffnen wir unser Liberales Jahr 2011.

Es gibt öffentliche Ratgeber, die sagen, wir sollten etwas härter oder weicher, etwas rechter oder linker, ein wenig konservativer, grüner oder sozialdemokratischer werden.

Wir bleiben wir, die einzige liberale Partei in Deutschland.

Mit dem Kurs der Eigenständigkeit als Partei fürs ganze Volk waren wir erfolgreich und werden wir erfolgreich bleiben.

Denn eines muss jedem klar sein:

Ohne die FDP werden wir linke Mehrheiten in Deutschland bekommen.

Die SPD hat sich vor der Bundestagswahl in Hessen noch geziert. Nach der Bundestagswahl in NRW hat die SPD es ohne Zögern mit den Linken gemacht. Ergebnis in NRW: 30 % Erhöhung der Neuverschuldung. Das ist SPD - Politik mit Grünen und mit Linken.

Die Grünen haben im letzten Jahr ein Strategiepapier veröffentlicht:

Zitat " Wir halten den Abbau des Wachstumszwanges auch aus ökologischen Gründen für erforderlich."
Wo wären wir heute ohne die 3,4 % Wachstum des letzten Jahres. Wer Wachstum ablehnt, der vernichtet Arbeitsplätze und Wohlstand.
Manche halten inzwischen ja die Linken für domestiziert und für in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit angekommen. Die Vorsitzende der Linken hat in dieser Woche einen Text veröffentlicht.

Zitat: " Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung." Kommunismus darf in Deutschland nie wieder etwas zu sagen haben und wer mit ihnen paktieren will auch nicht.

Wir Liberale gehen auf Angriff, weil wir linke Mehrheiten in Deutschland verhindern wollen.

Anrede,

wem die Bürgergesellschaft wichtiger ist als Staatsgläubigkeit, der hat nur die FDP.

Wer die Mittelschicht stärken will, damit sich die Gesellschaft nicht spaltet, der hat nur die FDP.

Wer den Mittelstand in das Zentrum der Wirtschaftspolitik rücken will, der hat nur die FDP.

Wer die Bürgerrechte schützen will, weil es Sicherheit ohne Freiheit nicht gibt, der hat nur die FDP.

Wer in der Bildung Chancengleichheit will, aber nicht Ergebnisgleichheit, der hat nur die FDP.

Wer eine Umweltpolitik der besten Ergebnisse will statt der guten Absichten, der hat nur die FDP.

Wer einen Sozialstaat will, der den Bedürftigen hilft und nicht den Findigen, der hat nur die FDP.

Wer in neuen Technologien zuerst die Chancen sieht und nicht nur Risiken, der hat nur die FDP.

Wer will, dass sich die eigene Anstrengung lohnt, der hat nur noch die FDP.
Wer die Freiheit liebt, der braucht eine starke FDP.

Und eine starke FDP braucht Sie.